Glasfaser vs. Kabelinternet (DOCSIS): Wer gewinnt?
Beim Marketing klingen Kabel und Glasfaser ähnlich: 'bis zu 1.000 Mbit/s'. In der Realität trennen die Technologien drei Welten — vor allem im Upload und bei der Stabilität in Stoßzeiten.
Wie Kabelinternet funktioniert
Klassisches Kabel-TV-Netz mit Koaxialkabel, ergänzt um Rückkanal (DOCSIS 3.0/3.1). Der letzte Meter zum Kunden ist Kupfer-Koax, das Backbone seit ca. 2010 zunehmend Glasfaser.
Architektur: shared medium. Mehrere Haushalte teilen sich denselben Kabelstrang. Wenn der Nachbar abends 4K streamt, bekommst du das in deiner Bandbreite zu spüren.
Die echten Unterschiede
- Symmetrie: FTTH symmetrisch, Kabel asymmetrisch (1.000/50 Mbit/s ist typisch)
- Shared vs. dediziert: Kabel teilt sich, FTTH ist pro Haushalt eine eigene Faser
- Latenz: FTTH 2–5 ms, Kabel 10–30 ms (Stoßzeiten +)
- Stabilität: FTTH immun gegen elektromagnetische Störungen
- Zukunftssicherheit: Kabel ist mit DOCSIS 4.0 ausgereizt, FTTH skaliert auf 25G+
Wann Kabel reicht — und wann nicht
Wenn du primär Streaming und Surfen machst, reicht Kabel im Alltag. Sobald du im Home-Office mit Cloud-Workflows, regelmäßigen Videocalls, großen Datei-Uploads oder Self-Hosted-Anwendungen arbeitest, wirst du den Upload-Engpass spüren.
Auch beim Spielen merkt man den Unterschied: weniger Lag, weniger Hänger in Stoßzeiten zwischen 19 und 23 Uhr.
DOCSIS 4.0 vs. XGS-PON
DOCSIS 4.0 ist der Versuch der Kabelnetzbetreiber, gegen FTTH wettbewerbsfähig zu bleiben. Theoretische Bandbreite: 10 Gbit/s symmetrisch. Realer Rollout: schleppend, weil Verstärker- und Knoten-Aufrüstung in jedem Cluster notwendig ist.
XGS-PON (Glasfaser) liefert 10 Gbit/s pro PON-Port und kommt ohne Cluster-Logik aus. Plus: 25G-PON ist bereits in Pilotbetrieben.
Wechsel von Kabel auf Glasfaser
Der Wechsel ist unkompliziert. Kabel-Vertrag mit Sonderkündigungsrecht oder zum regulären Ende kündigen, parallel den Glasfaser-Vertrag aktivieren. In den meisten Fällen läuft beides 2–4 Wochen parallel — keine Lücke beim Internet.